Warum kann uns Stress krank machen?

 

Stressreaktion

Unser Organismus hat zwei Systeme, die uns Stress vermitteln bzw. eine reaktive Stressantwort in Gang setzten. Stress ist gewissermaßen eine Antwort auf Reize wie z. B. akute Gefahrt, Überforderung, seelische Belastung, Schmerz, Mangel, aber auch Freude oder Erregung. 

Die eingeleitete Stressantwort auf äußere Reize ist eine entsprechende Schutz- und Befähigungsreaktion auf Anforderung oder Belastung.

 

Zwei Stress-Systeme

Das Stress-System über unsere Nervenleitbahnen ist vor allem aktiv über die dem Sympathikus zugehörigen Nerven. Sie erfassen jegliche Reize aus der Umwelt und schicken sie in Sekundenbruchteilen zur Weiterbearbeitung zum Gehirn. Die Vermittlung erfolgt in kleinsten Bruchteilen einer Sekunde. Der Sympathikus aktiviert das gesamte Herz-Kreislauf-System und ein weiteres über Hormondrüsen gesteuertes Stresssystem. Der Gegenspieler des Sympathikus, der Parasympathikus, wird während der Stressantwort in seinen Funktionen herunterreguliert.

Die Stressantwort des Organismus bezieht alle lebenswichtigen Organe und weitere Körperstrukturen mit jeweils spezifischen Aufgaben ein. Ziel ist stets, die Anpassung an die Erfordernisse der Umwelt und die Integrität des gesamten Organismus zu gewährleisten. Stress und Stressantwort gehören also selbstverständlich zu unserem Leben. Folgt auf Stress und Stressantwort eine ausgleichende Ruhephase, so sprechen wir von Eustress.

Im Vergleich mit Grundprinzipien des Qigong würde das aufsteigende, aktivierende und dem männlichen Prinzip zugeordnete Yang an seinem Zenit in das beruhigende, aufnehmende und absteigende Yin überführt: Ein gesunder und rhythmischer Zustand der Ausgewogenheit.

 

Chronischer Stress und seine Auswirkungen auf Körper und Psyche

Bleibt eine sich im Normalfall anschließende Entspannungsphase aus, stellt sich zwangsläufig eine Stressbelastung ein. Sowohl psychisch empfundener Dauerstress oder Stress aufgrund körperlicher Beschwerden kann sich äußern über eine verminderte Leistungsfähigkeit, Unlust, Appetitlosigkeit, Sucht jeglicher Art, Infertilität, mangelnde Libido bis hin zu einem manifesten Burnout oder chronischem Fatigue-Syndrom. Psychischer Stress äußert sich häufig in Beschwerden des Verdauungsapparates oder im muskulären Bereich durch hohe Muskelspannung und Fehlhaltungen mit sich sekundär ausprägenden Fehlstellungen, meist in Form von Schmerzen. Es entsteht der unspezifische Körperschmerz - "alles tut weh". Wir geraten aus der Balance, verlieren unsere Mitte als ausgleichendes Moment.

Chronischer Stress ist häufig der Anfang einer sich aufbauenden Spirale von Symptomen die zu komplexen Krankheitsbildern aller Organsysteme, sowie zu einer Schwächung des Immunsystems führen können, wenn er als Ursache nicht wahrgenommen und keine Veränderung eingeleitet wird.

 

Stressbewältigung -

heilsame Wege aus der Überforderung

 

Therapieoptionen

Ich arbeite im Rahmen der Stressbewältigung mit verschiedenen Methoden. Es bewährt sich eine Kombination von speziell auf die jeweilige Symptomatik ausgewählten Übungen des Qigong (nach Traditioneller Chinesischer Medizin), Klangmeditation zur Tiefenentspannung und manualtherapeutische Behandlung (Craniosakrale Therapie, Massage, Shiatsu). Sollte es aufgrund einer schon lange anhaltenden Stressbelastung mit ausgeprägten Symptomen erforderlich sein, empfehle ich nach Testung bzw. nach Laboruntersuchungen entsprechende Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente, um Mängel auszugleichen.

Die Übungen des Qigong mit der Konzentration und die eigene Mitte, mit dem Fokus auf die Harmonie von Atmung und Bewegung in der naturgemäßen Gegenläufigkeit bewirken eine tiefe und vollständige Bauchatmung, die im chronischen Stresszustand unterdrückt wird. Die Übungen trainieren in sanfter Weise körperliche Spannkraft und Beweglichkeit und fördern den gesunden Schlaf. Der verlangsamte Atmungsvorgang sinkt mit seinem ruhigen Fluss in die Tiefe der Körperwahrnehmung ein. Die neu erlernte Konzentration auf den Atem beruhigt die treibenden Gedanken, senkt den Geist hinab in die Ruhe und hinein in den Schlaf. Die ruhige Atmung wandelt sich wieder zur Selbstverständlichkeit im Alltagsgeschehen um, der innerlich wahrgenommene regelmäßige Rhythmus wird von den Übungsformen des Qigong zunehmend auf die Abläufe des Alltags übertragen.

Die innere Aufrichtung, die sich in der äußeren Haltung abbildet und die Konzentration auf die eigene Mitte bewirken ein gesundes Zurücktreten von der Dramatik des Lebens und das Empfinden, Zeit zu haben; Zeit um Entscheidungen zu treffen; Zeit um ja oder nein zu sagen; Zeit um nachzudenken, Zeit um in Ruhe den nächsten Schritt zu setzen; Zeit für das eigene Wohlergehen einzuräumen; Zeit zum Schlafen.

Mit der entstehenden Ruhe wächst ein neues Bewusstsein für den Körper, wächst die Wahrnehmung für Zustände, die gut sind und für Zustände, die der physischen und psychischen Gesundheit nicht zuträglich sind. Es wächst das Vertrauen, dass die Lebensenergie durch gutes Atmen, durch die Übungen des Qigong und die Methoden der Tiefenentspannung erneute Stärkung findet. Mit diesem gesunden Wachsen sinkt gleichermaßen der Stresspegel im Alltag, können sich die Schmerzsymptome deutlich reduzieren bis hin zur Schmerzfreiheit.

 

Eigene Heilarbeit leisten

Kein Arzt und Therapeut wird durch äußere Einwirkung eine dauerhafte Stresseliminierung bewirken können. Der Schlüssel zu wirklicher und anhaltender Besserung liegt in jeder und jedem Betroffenen selbst verborgen. Ist die Suche nach dem Zustand eines ganzheitlichen Wohlbefindens, das durch den Begriff der Salutogenese auch in einem fachlich wissenschaftlichen Rahmen zunehmend Beachtung findet, erst angeregt, wird jede/r den für sich passenden Weg finden können.

Ich freue mich darauf, Sie auf diesem Weg mit meinem Wissen, meiner Kompetenz, Einfühlsamkeit und Intuition begleiten zu können. 

 

 (Quelle: Qigong im Stressmanagement - Kneipp-Journal 9/2019 - Autorin: Susanne Margarete Rehe)

 

 

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